Es ist Dienstag der 13. September 2011.
Ich sitze mit meinem Mitfreiwilligen und mittlererweile schon guten Freund Niko in Pappritz im Hans und Sophie Scholl Haus. Alleine.
Doch wie kam es dazu?
Vor einigen Monaten habe ich mich beschlossen ein Jahr in´s Ausland zu gehen. Wohin, das war mir damals noch ziemlich egal.
Durch meine beiden Cousins, welche ein FSJ in Frankreich verbracht haben, bin ich zum ICE (Initiative Christen für Europa ev. http://www.freiwilligendienst.de/) gekommen.
Dort habe ich mich beworben und wurde auch gleich zu einem Auswahlseminar eingeladen, bei dem ich "willige" Jugendliche aus ganz Deutschland kennen lernte. Es wurde sich ausgetauscht, in welches Land man denn am liebsten will und wieso man sich eigentlich beworben hat. Der Trend ging, bei meinem Seminar, jedenfalls ganz klar nach Westeuropa. Frankreich, Portugal, England, Irland und Italien - da wollten die meisten hin.
Nun, nach diesem kurzen und doch ziemlich intensiven Seminar bekam ich nach ein paar Wochen einen Brief. Ich wurde für ein Jahr im Ausland angenommen! Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ungarischen Sprachraum. Anfangs konnte ich mir darunter überhaupt nichts vorstellen, war jedoch total erfreut, dass ich mein eigenes kleines Abenteuer "gewonnen" hatte.
Nach einigen Monaten der Vorbereitung (Dokumente wurden hin- und hergeschickt) wurden wir dann wieder nach Pappritz (Dresden) gerufen, wo wir auch schon unser Auswahlseminar bzw Orientierungsseminar hatten. Hier fand eine "multiliterale Begegnung" statt. Deutsche Freiwillige, die nach Ungarn, Rumänien und in die Ukraine gehen und Freiwillige, aus eben diesen Ländern, sowie ein albanischer und ein französischer "Fredie" (Freiwilligendienstler) sollten hier 2 Wochen verbringen.
Anfangs begann es mit einer Grüppchenbildung. Die internationalen saßen alle in Internetreichweite und verweilten via Facebook in ihrer Heimat und die Deutschen lernten sich untereinander kennen. Hier lernte ich unter anderem Niko, Mara und Hanna kennen - Fredies, die mit mir nach Ungarn gehen - aber auch viele andere, sowie Theresia (Ukraine) und Katharina, Lisa, Ellie und Louise (Rumänien).
Während dieser spannenden 2 Wochen bekamen wir auch einen Intensivsprachcrashkurs in Ungarisch von Bálint, einem sehr sympathischen und auch guten Lehrer, der uns den ersten Kontakt mit dieser doch völlig fremden Sprache so einfach und angenehm wie möglich machte.
Während dieser Zeit löste sich die Gruppenbildung und wir fingen an uns mit den "Internationalen" auszutauschen. Zum Ende des Seminars hin, konnte man schon von kleinen grenzübergreifenden Freundschaften erzählen und es war ganz normal, dass mal ein Rumäne und Ungar mit ein paar Deutschen in Dresden feiern gingen.
Doch auch diese 2 Wochen vergingen viel zu schnell und sofort ging es für Niko, Max (einem anderen Ungarn-Fredie) und mich für 5 Tage nach Budapest, wo wir die Malteser, unsere Mentoren und unsere Arbeitsstellen kennen lernten. Ganz unerwartet fanden wir Bálint in Dresden am Bahnhof vor, er wollte spontan nach Budapest fahren. So kam es, dass der Lehrer mit seinen 3 Schülern ein Abteil im Nachtzug nach Ungarn teilte.
In Budapest angekommen, wurden wir von Zsófi (unsere "Chefin") und Péti (Nikos Mentor) begrüßt, welche uns zur Freiwilligenwohnung brachten, wo Niko später mit einem anderen Fredie wohnen wird.
Hier begrüßte uns Otari, sein Vorgänger und zeigte uns gleich einmal die Stadt.
Für mich ging es nach einiger Zeit dann nach Miskolc, an das Jesuitengymnasium. Meine Arbeitsstelle und auch gleichzeitig Heimat für das kommende Jahr, wo mich auch gleich meine Vorgängerin, Christiane, meine Mentoren Ándi und mein Direktor Ferenc begrüßten. Nach einem kleinen Rundgang durch das nächtliche Miskolc, welches wirklich sehr schön ist, und einer Erkundungstour durch meine hogwartsähnliche Schule, ging es für mich am nächsten Tag auch schon wieder nach Budapest, wo ich mit den anderen den "ersten letzten Abend" in Ungarn verbrachte.
Wieder in Perleberg, meiner Heimat, war es jedoch etwas komisch. Ich habe meine "Zukunft" schon gesehen und saß nun doch für ein paar Wochen im Hier und Jetzt fest. Aber auch diese Phase ging schnell vorbei und wir wurden nach Freising beordert, dem Sitz von Renovabis, einem Verein, welche einige Stellen (darunter meine) fördert. Hier trafen wir erneut auf Otari und Christiane, lernten Freiwillige aus einer anderen Organisation kennen, sowie den Verein Renovabis an sich und nahmen am alljährlichen Renovabiskongress teil. Hier lernten wir auch Jonathan und Benjamin kennen, 2 Freiwillige, die nach St. Petersburg gehen, bzw jetzt schon dort sind.
Von Freising ging es für uns alle dann direkt weiter nach Pappritz, wo wir unser Ausreiseseminar hatten.
Hier lernten wir fast alle deutschen ICE-Freiwilligen kennen, hatten nochmal straffes Programm und freundeten uns noch mehr mit den Anderen an.
Innerhalb der letzten 3 Tage sind dann alle abgereist.
Dieses große Haus, in dem wir vor nicht mal 24 Stunden noch lustig beisammen saßen ist nun völlig ruhig. Die einzigen Geräuscheverursacher sind nun Niko und ich, welche Musik hören und nebenbei an ihren Blogs schreiben.
Es ist schon seltsam, wir haben viele viele neue Leute getroffen und einige davon sogar richtig ins Herz geschlossen. Diese Fredies, sind schon ein toller Schlag Menschen!
Doch nun, sind sie alle weg und wir warten gespannt auf unsere Abreise, welche erst am folgenden Abend stattfindet.
Ich habe keine Angst vor meinem Freiwilligenjahr, ganz im Gegenteil. Ich freue mich schon sehr darauf und bringe auch ein paar Ideen, für meine Schüler und die Stelle mit. Ich hoffe und denke, dass mich dieses Jahr verändern wird. Mich reifer machen wird. Und mir ein paar Lebensweisheiten für meinen späteren Weg offenbart.
Mein Name ist Christopher Uhe, es ist Dienstag, der 13. September 2011 22;30 Uhr und ich werde in nichtmal 24 Stunden mein Abenteuer in Ungarn beginnen und ich werde diese tolle und intensive Vorbereitungszeit mit dem ICE nie vergessen.
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