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Mein Name ist Christopher Uhe, ich bin momentan 19 Jahre alt und leiste einen Freiwilligendienst in Ungarn und werde mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Mit diesen Blog, halte ich Freunde, Familie und jeden, den es interessiert auf dem Laufenden.

Mittwoch, 16. November 2011

Die Sprache und Gedanken über die Zukunft

Ich habe mich schon etwas länger nicht mehr gemeldet. Doch das soll sich nun ändern.
Meine Arbeit ist mittlererweile schon Routine. Jeden Dienstag fahre ich nach Felsönyarad um dort mit Max Englisch- sowie Deutschunterricht bei Schülern der 5. - 8. Klasse zu geben.
Danach fahren wir beide zu Edit Néni, eine ältere Dame, welche im Rollstuhl sitzt.
Sie scheint die perfekte Lehrerin zu sein, da sie nur Ungarisch spricht und weiß, was die Fredies in der Landessprache sagen können.
Mit ihr kaufen wir ein, reden oder lassen uns von ihr bekochen (Sie kocht immer für uns mit. Da wäre es unhöflich nein zu sagen!)

An den anderen Tagen gebe ich meine Konversationsstunden, unterhalte mich mit den Schülern in der Freizeit, sofern sie es wollen, um ihr Deutsch zu verbessern und helfe jetzt sogar einer kleinen Gruppe von Schülern, welche an einem Deutsch-Gedichtwettbewerb teilnimmt.

Heute begann der nächste Teil meiner Arbeit.
Ich fahre zusammen mit ein paar Schülern zu einer Art Wohnheim und Tagespflege für behinderte Menschen, mit welchen wir uns beschäftigen sollen.
Ich werde am Montag, Mittwoch und Freitag dort auftauchen und mein Bestes geben!

Mein Bestes kann ich aber nur geben, wenn ich die Sprache beherrsche. Das ist mir heute klar geworden.
Nur leider sind meine Kenntnisse der Sprache eher mittelprächtig.
Das wichtigste kann ich sagen, nur wird es nicht für die Arbeit mit Behinderten Menschen ausreichen.
Da ich diese Arbeit jedoch als sehr wichtig für mich und meinen Dienst an der Welt ansehe, ist es eine große Motivation für mich, diese Sprache zu lernen. Komme was wolle!

Ich bin hier glücklich.
Ich habe schon einige Freunde gefunden, gehe oft aus und genieße das Leben.
Doch auch dieses Jahr wird irgendwann vorbei sein und ich fange mir an, darüber Gedanken zu machen.

Ich bin jetzt glücklich und möchte das auch nach diesem Jahr sein. Zuerst dachte ich, ich schlage einen Weg ein, bei dem man genug Geld verdient.
Doch ist das wirklich so wichtig? Ich möchte, das mich meine Arbeit erfüllt und glücklich macht.
Und was habe ich davon, wenn ich nachher als reicher Mann sterbe und nichts mit dem Geld angefangen habe? Fragen über Fragen, die sich mir da stellen.
Das Unterrichten macht mir Spaß und ich werde mich auch als Lehrer bewerben.
Nur ich muss der Wahrheit ins Auge blicken, mein Abitur ist nicht das Beste, die Unis sind überfüllt, weil Deutschland ein beschissenes Bildungssystem vorzuweisen hat und dementsprechend viele Bewerber gibt es für die Studienplätze.
Was mache ich, wenn ich dort nicht angenommen werde?
Ich habe mir überlegt, mich wieder bei der Bundeswehr zu bewerben. Aber macht mich das glücklich? Da lockt auf jeden Fall das Geld aber ein richtiges Leben habe ich da auch nicht.
Ich bin kein Mensch, der sich immer etwas vorschreiben lässt.
Ich bin ein Freigeist, der auch mal Kritik bei seinen Vorgesetzten äußern will und sich eben nicht immer nach der Gruppe richtet. Also wird das wohl eher die "Notlösung", falls nichts mehr übrig bleibt.

Dann kam mir neulich der Einfall, welchen ich schon vor ein paar Jahren hatte.
Sich für Schauspiel bzw Regie zu bewerben. Nunja, in Deutschland werden Schauspieler nicht sehr gut bezahlt und die Einkommen für Schauspieler und Regisseure sind Projektgebunden. Es ist also kein sicherer Weg, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Doch ich denke, dass mich diese Arbeit glücklich machen würde. Es ist ein sehr kreativer Job, bei dem man sich austoben kann und andere Menschen inspirieren kann (sofern man seine Sache gut macht).
Außerdem sieht man viel von der Welt, oder zumindest Deutschland, und kann seine künstlerische Ader austoben.

Am Liebsten jedoch, wäre mir der Lehrerjob. 
Das unterrichten hier macht mich glücklich und ich empfinde den Beruf als Lehrer auch als DEN WICHTIGSTEN. Hier in Ungarn wird dieser sehr wichtige Beruf sehr schlecht bezahlt, was mich für die Lehrer an meiner Schule sehr ärgert.
In Deutschland hingegen, verdient man schon viel. Außerdem hat man die einmalige Chance, bei der Entwicklung unserer Zukunft mitzuwirken. Denn die Lehrer haben nunmal eine Art Vorbildfunktion.

Ich weiß nicht, was mit mir passieren wird. Ich weiß nur, dass ich mich dem momentanen Bild lossagen werde. Mir geht es nicht darum, genug Geld zu verdienen. Ich möchte einfach nur glücklich werden.

Und damit schließe ich mit einem Zitat, welches zu dieser Situation, in meinen Augen, sehr passend ist.

Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.
                               Christian Morgenstern

Sonntag, 16. Oktober 2011

Ganz alleine und doch nicht alleine - eine kleine Biografie

Ich bin Christopher Uhe und heute ist mein 20. Geburtstag.
Es ist lustig, ich sitze hier in Miskolc, Ungarn, in meinem Zimmer. Ganz alleine.
Und doch fühle ich mich nicht alleine.
Doch wie kommt´s dazu? Ich versuche nun mit meinen lieben Bloglesern, dies rauszufinden.


Am 17.10.1991 erblickte ein kleiner Junge zum ersten Mal das Licht der Welt. Sein Vater lag in der Prignitz aufgrund eines Blinddarmdurchbruchs im Krankenhaus und konnte somit leider nicht an der Geburt teilhaben. Deshalb durfte der Vater sich den Namen aussuchen und so erhielt der Säugling den Namen Christopher. Da seine Eltern noch nicht verheiratet waren bekam er den Nachnamen seiner Mutter, also Christopher Jungbluth.
Christopher war der "Letzte" der in diese Familie hineingeboren wurde. Vor ein paar Wochen wurde sein Cousin Felix geboren. Seine Cousins Florian, Fabian und Milan und Cousine Anne waren allesamt älter als er und freuten sich bestimmt über den Zuwachs in der Familie ;)
Zunächst musste das Frühchen Christopher, welches genau einen Tag nach Onkel Peters und Onkel Maiks Geburtstag geboren wurde, im Krankenhaus bleiben.
Danach wohnte er mit Mama Bettina für ein paar Wochen Schwerin, bis sie schließlich nach Perleberg in einen Neubaublock zu Papa Torsten zogen.
Oma Ingrid (Torstens Mutter) wohnte in einer Doppelhaushälfte, ihren Mann, Opa Gerhardt, lernte Christopher leider nie kennen, da er vor der Wende aus dem Leben schied.

Nach ein paar Jahren war ein "Wohnungstausch" angesagt. Oma Ingrid zog in die Wohnung und Familie Uhe/Jungbluth in die Doppelhaushälfte, wo sie bis heute noch wohnen.


Christopher hatte eine schöne Kindheit. In der Krippe lernte er Katharina kennen zu welche Christopher im Laufe der Jahre eine feste Freundschaft aufbaute, welche bis heute noch Bestand hat.
Im Kindergarten kam Ernst-Christian (einfach nur Motzki genannt) dazu, mit welchem ihn heute noch eine wunderbare Freundschaft verbindet, obwohl die Beiden unterschiedlicher nicht sein könnten.

Während der Schulferien besuchte er immer wieder seine Großeltern mütterlicher Seits. Oma Waltraud und Opa Uwe wohnten in NRW, also nicht wirklich in der Nähe. Es war immer eine schöne Zeit für ihn, wenn er "Omchen und Opchen" besuchte, wo der Opa doch das Interesse an Computern in Christopher weckte und die Oma ihn am Anfang immer mit auf die Arbeit nahm (sie war Erzieherin). So lernte der Junge schon relativ früh in einer fremden Umgebung Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen Kindern anzufreunden.
Außerdem war manchmal Cousine Anne zu besuch, mit welche er eine Menge Spaß hatte (es gibt noch Videoaufnahmen von diversen Huckepackwettkämpfen vom Team Anne/Uwe gegen Team Christopher(Von seinem Opa nur Stoffhund oder Stoffie genannt)/Waltraud).
Hier verbrachte Christopher wirklich gerne seine Zeit und die Großeltern wurden schnell zu den ihm liebsten Menschen auf der Welt.

Doch eines Tages kam die Schocknachricht, welche der Junge an sich noch nicht ganz begreifen konnte.
Oma Waltraud erkrankte an Brustkrebs und bekam diverse Therapien (unter anderem Chemo) verordnet.


Daraufhin entschieden sich Torsten und Tina zu heiraten.
Am 10. Mai 2002 gaben sie sich auf der Seebrücke Sellin im kleinen Kreise(nur die beiden Omas, Opa und Oma Ingrids Lebensabschnittsgefährte Erwin waren dabei) das Ja-Wort und Christopher legte den Namen Jungbluth ab und wurde zu einem Uhe.
Es war schön, dass sie so alle noch vereint waren, denn dann fing eine schlimme Zeit an.

Am 26.07.2003 verlor Oma Waltraud den Kampf gegen den Krebs. Sie starb im Alter von 57.

Auf ihrer Beerdigung hat Christopher das erste mal richtig aus tiefster Seele geweint.

Als dann am 02.03.2004 Opa Uwe mit frischen 60 Jahren einen Herzinfakt auf der Arbeit erlitt und an seinen Folgen verstarb, konnte der Junge nicht begreifen, warum Gott, eine höhere Macht oder sonst was zulassen kann, dass solche gute Menschen so früh von der Welt gehen müssen und manch andere Tatterköpfe wie wandelnde Leichen noch unter uns weilen.



Doch irgendwie verging diese traurige Zeit.
Christopher verstand, dass der Tod zum Leben dazu gehörte. Und machte mit seinem Leben weiter.


Im Schwimmverein SV Blau Weiß Perleberg war er schon einige Jahre Mitglied und schwamm dort mit seinem Freund Paul, welcher ihn erst zum Schwimmen brachte, und mit Freund Nico.
Eines Tages schloß sich der Verein mit mit dem ESV Wittenberge zusammen und sie wurden zum SV Freizeitpark Wittenberge in welchem sich Christopher mit den hinzugekommenen neuen Vereinskameraden schnell anfreundete.
Außerdem kam Christopher auf das Gottfried Arnold Gymnasium, wo er der 7.2. unter der Leitung von Gerald Wolff beitrat. Auch hier fand er viele neue Freunde, wie Hanna, Lisa, Steffie und Ulli.
Hier reifte er langsam heran und die erste Station zum Erwachsenwerden war die Jugendweihe, zu der viele Verwandte und Freunde, die ihn sein Leben lang begleiteten, kamen.

Das Vereinsleben prägte den Jugendlichen sehr. Er wurde zum Rettungsschwimmer und zum "Assisstententrainer". Außerdem wurde er von seinem "Mentor" und Vereinsvorsitzenden Knut darum gebeten Jugendwart des Vereins zu werden. Seine damalige (und auch erste) richtige Freundin Franka sollte ihm dabei unterstützen.

Die Zeit verging und Christopher kam in die 11. Klasse. Sekundarstufe 2 - das Abitur rückte immer näher.

Nun wurden die beiden Klassenzüge zusammengepackt und er bekam eine Tutorin, Marion Krieg, welche ihm ebenfalls zu einer Art Mentorin aber auch guter Freundin wurde.

In der 12. Klasse ging es für ihn dann das erste mal nach Italien. Dort lernte er Birte, eine neue Schülerin aus dem "Westen" kennen und er freundete sich mit dem Baldabiturienten Sebastian "Boddel" an.
Aus Spaß meinte Christopher, ob Birte nicht eine hübsche Schwester hätte, die Single wäre.

Und so kam es, dass ein paar Wochen später Christopher, Boddel, Birte und ihre Schwester Anika auf einer Art "Doppeldate" (eigentlich ja nur im Edellokal McDonalds einen Burger dinnieren und danach zu Motzkis Geburtstagsparty düsen) waren. Ein paar Wochen später, am 12.11.2009 waren Christopher und Anika dann ein paar.
Sie war seine erste richtig große Liebe und sie veränderte ihn, ob er es wollte oder nicht.
In diesem Jahr war alles super. Er wurde beim Schwimmen besser, die Zensuren besserten sich (ein wenig), er wurde Gründungsmitglied des neuen Schwimmvereins Schwimmclub Delphin Wittenberge e.V. und mit seinen Freunden lief auch alles prima. Wie nun mittlererweile jeder wissen sollte, sind Beziehungen in dem Alter nicht für die Ewigkeit bestimmt und so kam es, dass Christopher am 13.11.2010, nach einem Jahr Beziehung, wieder Single war.
Es traf ihn schon hart, aber durch das frühe davonscheiden seiner Großeltern wusste er, dass das Leben zu kurz sei, um Trübsal zu blasen und so rappelte Christopher sich nach einiger Zeit wieder auf.
Er ist heute noch mit Anika, Birte und Boddel befreundet und kann sich ihnen jederzeit anvertrauen.

Dann kam der Abistress. Klausuren, Prüfungen. Es war schön, als sich die Klasse nach den schriftlichen Prüfungen endlich in Calella ins Partygetümmel stürzen konnte.
Hier wuchs der Jahrgang noch einmal "final" zusammen. Es wurde viel gefeiert, getrunken und viele Erinnerungen (und natürlich auch zuvor getätigte Speisen) gingen verloren.
Doch es ging nicht nur etwas verloren. Denn nach dieser Abifahrt kam Christopher als vergebener junger Mann zurück nach Deutschland. Nach langer (verbaler) Überzeugungsarbeit konnte er Nell seine Freundin nennen.
Es war von Anfang an ein "dunkles Mal" über dieser Beziehung, wo Christopher doch nach dem Abitur für ein Jahr nach Ungarn und Nell für ein Jahr nach Irland gehen würde. Doch sie fanden, dass es die Zeit durchaus wert sei! Christopher wollte nicht in einigen Jahren zurückblicken und es bereuen etwas NICHT getan zu haben.  Leider sind die beiden heute nicht mehr zusammen. Aber nach diesem Jahr werden sie sich wieder sehen und nur die Zukunft weiß, was dann sein wird.

Nun denn, die mündlichen Prüfungen gingen vorbei und der Chaostag brach an. Die Noten der Prüfungen wurden bekannt gegeben. Super, Christopher hatte bestanden. Zwar nicht die Noten, die er wollte, aber da fragt nach einem Studium sowieso keiner mehr nach. Der Chaostag war ein schönes Erlebnis in seinem Leben und wurde nur noch vom Abiball getoppt. Der Tag, an dem sein Jahrgang vermutlich das letzte Mal komplett war und sich 100% wie eine Masse fühlte. Nach Abisong, Abitanz und vielen anderen Begebenheiten verging dieser Abend jedoch viel zu früh. Als um 6 Uhr die Lichter in der Halle angingen, Knockin´ on heavens door gespielt wurde und die letzten verbliebenen Gäste sich unter Tränen verabschiedeten, war dieser wunderbare Abschnitt in seinem Leben beendet.
Doch Christopher wusste, dass er diese geile Zeit nie vergessen wird.

Und schon ging ein anderer Abschnitt in seinem Leben los. Die ICE Zeit, über die im Blog schon berichtet wurde.

Und nun wechsele ich von der Perspektive des Außenstehenden in die, des Erlebenden.

Ich bin hier in Ungarn. Ein vollkommen fremdes Land. Ich habe mir einfach drauf los neue Freunde gesucht, mit denen ich bestimmt ein tolles Jahr haben werde. Am Wochenende kommen meine Mitfreiwilligen vorbei, und wir werden meinen Geburtstag feiern.
Ich habe meine Freunde in der Heimat (es sind zu viele um sie aufzuzählen),meine "Mentoren" bzw. Autoritätspersonen, die bei mir etwas geweckt haben(Knut, Marion), meine Verwandten(Milan, Felix, Flori, Anne, Fabian, Peer, Petra, Maik, Kerstin, Norbert, Birgit, Peter), meine Oma und natürlich meine Eltern - alle haben mich mein Leben lang begleitet und sind "Schuld" daran, dass ich zu der Person geworden bin, die ich jetzt bin.

Ich weiß nicht, warum ich so ein sonniges Gemüt habe. Die liebsten Menschen, die ich auf der Welt hatte, sind mir viel zu früh genommen worden und DAS hat mich irgendwie zum Optimisten gemacht, der versucht, ein jedem einen kleinen Lichtstrahl in seine doch so problemreiche Welt zu setzen.

Ich bin Christopher Uhe, heute ist mein 20. Geburtstag und ich fühle mich einfach nur super.


Ich werde dieses Jahr in vollen genießen und werde immer an die Personen denken, die mich in diesen ersten zwanzig Jahren geprägt und begleitet haben.


Dieses Jahr wird eines der besten Jahre meines Lebens.


Denn dieses Jahr



ist mein Jahr!

Montag, 26. September 2011

Der erste Tag, eine Schwester aus den Staaten und ein spirituelles Wochenende.

Der erste Arbeitstag ist geschafft und ich bereue es nicht, mich für mein FSJ angemeldet zu haben ;)

Mein Tag begann damit, dass ich mich vor den Deutschräumen einfinden sollte. Dort traf ich Tamas und Judit, 2 Deutschlehrer, welche mich begrüßten und mir sagten, was zu tun sei.
Daraufhin begann für mich der "Unterricht" - ich sollte mit 2 Schülern der 12. Klasse in einen abgelegenen Raum gehen (wir sind einfach mal an die frische Luft gegangen und haben uns auf den Schulhof gesetzt). Mit diesen beiden Schülern sollte ich mich dann über irgendwelche Themen unterhalten. Da es natürlich für uns alle die erste gemeinsame Stunde war, wurden erstmal die Basics abgeklappert (Name? Alter? Geschwister? und und und).
Danach hatte ich Schüler der 10. und 9. Klasse, welche grade aus Deutschland kamen. Dort haben sie von der Theater AG aus eine Woche verbracht (2 Tage in Dresden und den Rest in Berlin/Potsdam).
Danach ging es für mich zum Essen in die Mensa, wo es eine höchst interessante und doch ziemlich ungewöhnliche Zusammenstellung gab.

Als Vorspeise gab es (Buchstaben)Nudelsuppe - klingt ja noch ganz normal.
Als Hauptspeise gab es dann Fleisch (sowas wie Braten) mit Kartoffeln und einer Art Obstsauce. Ich habe sowas vorher noch nie gegessen, es war aber ziemlich lecker!
Beim Mittagessen gesellte sich dann eine Dame älteren Semesters zu meinen Tisch, welche mich gleich auf Englisch nach einer Serviette fragte und sich dafür entschuldigt hat, dass sie nicht so gut Ungarisch spricht. Als ich daraufhin entgegnete, dass es mir genauso geht, kamen wir ins Gespräch.
Ihr Name ist Sally, sie ist eine Schwester aus den Staaten und wohnt schon 3 Jahre hier im Gymnasium und scheint ebenfalls zu unterrichten. Auf die Frage hin, warum sie denn noch nicht fließend Ungarisch spreche, entgegnete sie nur trocken, dass sie zwar eine gute Lehrerin, aber eine furchtbare Schülerin sei.
Sie hörte sich an, woher ich komme, was ich hier mache und was ich mal werden möchte und war höchst entzückt. Zu meinem Wunsch Lehrer zu werden meinte sie, dass sie es nie bereut hat und mir das bestimmt auch liegen würde.

Nach dem Essen hatte ich dann noch Konversationsunterricht in einer 12. Klasse. Danach sollte ich mich bei meinem Direktor Ferenc einfinden, welcher mir von Bálint Nagy und seinen Projekten erzählt hat, welcher mir auch gleich vorgestellt wurde.
Bálint ist so etwas wie der geistige Beistand der Schule(wenn ich das richtig verstanden habe ;D) und plant mit ein paar Lehrern ein spirituelles Wochenende, bei dem sie mit einer Schulklasse in die Berge fahren, mit Lagerfeuer, sich seiner selbst bewusst werden und dort übernachten. Abgeschnitten von Telefon oder Internet.
Hierbei soll ich auch helfen. Ich werde das Essen für die Gruppe dorthin fahren, es vorbereiten und natürlich auch an diesem Wochenende teilnehmen. Es wird bestimmt sehr interessant und vielleicht hilft es mir ja auch, mit mir ins Reine zu kommen ;)

Freitag, 23. September 2011

Die Ankunft

          "Wir leben ein gutes Leben, Bruder"
"Das Beste!"

"Möge es sich nie ändern"

"Und möge es uns nie ändern"

Dieser Dialog hätte sich heute Abend sicherlich ereignet, wenn ich einen Mitfreiwilligen gehabt hätte, als ich auf die Aussichtsplattform eines alten Fernsehturmes stieg. Der Ausblick der sich mir bot, war traumhaft. Zu meinen Füßen lag die Stadt Miskolc. Nachdem die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand begannen die Lichter der Stadt das Tal allmählich zu erleuchten. Ich bin jetzt genau 24 Stunden in meiner Stelle.

Als wir am 15. September am Morgen in Budapest ankamen, begrüßten uns wieder Péti und Zsófi, "unsere Malteser".
Für uns ging es erstmal in die Freiwilligenwohnung, in der Niko (er wird in der Stadtzentrale arbeiten) und Flo (Landeszentrale) wohnen werden. Hier haben wir 4 Jungs Youness kennen gelernt, einem französischen Freiwilligen, welcher zusammen mit Esra (einer Freiwilligen aus Deutschland) in Gyöör wohnen und arbeiten wird.
Am gleichen Abend haben wir uns mit Lisa, Louise, Elli, Katha und Nele getroffen. Sie machen in Rumänien ihr FSJ.  Gemeinsam haben wir das Budapester Panorama von der Fischerbastei aus genossen. Ein unvergessliches Bild! Noch in der selben Nacht trennten sich unsere Wege, da die Rumänen am nächsten Tag in ihre Stellen fuhren.

Diese Woche verging viel zu schnell; wir hatten wieder Sprachkurs mit Bálint(einmal sogar in der kleinen Wohnung von Flo und Niko. Echt lustig, da mit 10 Mann Unterricht zu machen :D), was uns wirklich sehr geholfen hat. Wir besuchten ein großes Alters- und Obdachlosenheim sowie einen Malteserspielplatz und das Goethe-Institut, gingen bei 30° an der Donau in Szentendre baden, lernten etwas über die Geschichte und Politik Ungarns kennen und natürlich gingen wir auch feiern, was in Budapest wirklich eine Erfahrung ist.
Doch am Ende der Woche waren wir auch froh, endlich in unsere Stellen zu gehen. Wo wir doch schon seit einigen Tagen bzw. Wochen aufeinanderhingen und nun endlich unser FSJ beginnen wollten!
So ging es am Donnerstag dann für uns nach einer letzten Stunde mit Bálint, dem wahrscheinlich coolsten Typen unter den Sprachlehrern, an unsere Stellen.
Ich bekam meinen Dienstwagen, ein Malteserskoda, der älter ist als ich und sich auch so fährt. Mit diesem habe ich Mara am Nyugati Bahnhof abgesetzt, was jedoch leichter klingt als es war. Nach einer unmöglichen Wendeaktion im Budapester Verkehr und der Angst, das Auto würde bald auseinanderfallen (es war von oben bis unten mit Koffern und Taschen vollgepackt und der Motor hat auch einen äußerst beunruhigenden Sound, bei dem man manchmal echt Angst vor dem Schalten bekommt) konnten wir dann Mara endlich absetzen und es ging für mich und Max auf die Autobahn. Die zu finden war eigentlich ganz leicht, die unzähligen Ampeln in Budapest gingen einem nur gehörig auf dem Keks.
Die Fahrt auf der Autobahn an sich war nichts besonderes. Man konnte mal ausprobieren, wie schnell unser Gizmo (das Fredieauto) drauf hat und ansonsten wurde bei schöner Musik aus dem Radio die ungarische Landschaft bestaunt.

Ich weiß nicht warum, aber wir haben auf Anhieb den Weg zu Max´ Stelle gefunden und als ich ihn abgesetzt habe, war es auch kein Problem wieder nach Miskolc zu fahren und dort mein Internat zu erreichen.
Hier wurde ich von Pater Attila Atya empfangen, der mir ein Zimmer gab. Völlig erschöpft(die letzte Party hatte Energie gekostet ;)) konnte ich mich nun ausruhen.

Am nächsten Morgen wurde ich dann von Andi, meiner Mentorin auf dem Schulhof empfangen. Sie zeigte mir das Lehrerzimmer, die Deutschräume und die Mensa, gab mir meinen Stundenplan und nahm mich mit in ihre Klasse, wo ich mich kurz vorstellen sollte und dem Deutschunterricht beiwohnte.
Außerdem machte sie mich mit den anderne Lehrern bekannt. Nori und Berni sind 2 Deutschlehrer, bei denen ich mithelfen werde. Am Montag werde ich Tamás und Judit kennen lernen, sie waren mit einer Deutschklasse in Berlin.
Außerdem lernte ich Balasz kennen, einem Lehrer, der für die Sozialprojekte zuständig ist an denen die Schüler(und ich) am Nachmittag teilnehmen sollen. Er hat mir gleich in seiner Landessprache beigebracht, dass er nur ungarisch mit mir sprechen wird und es sich zur Aufgabe gemacht hat, mir so die Sprache zu lehren. Als er den Satz damit beendete, dass er mich mal mit einem Bierchen besuchen komme und ich das sogar verstand, konnte ich ein Lächeln auf seinem Gesicht erkennen.

Danach ging es für mich in den Unterricht von Berni, welche in ihrer Deutschklasse grade den Film "Dresden" behandelte. Nach dieser Unterrichtsstunde ging es für mich in die Mensa. Eine leckere Suppe (ich glaub es war eine Art Kartoffelsuppe) und einem Bohneneintopf war ich völlig vollgestopf. Ich werde mir echt ein paar sportliche Aktivitäten suchen, sonst werde ich hier noch fett! Auf dem Weg zu meinem Zimmer (Mittagsschlaf ist doch was feines!), sah ich auf dem Schulhof Balasz mit einer Gruppe Schülern. Auf einmal fingen alle, inklusive Balasz, an, Handstand zu machen. Ich weiß nicht genau, was das war, vlt. eine Art Wettkampf, aber ich fand es höchst amüsant und es hat mir gezeigt, dass die Lehrer hier mit den Schülern ein gutes Verhältnis zu haben scheinen.
Am Abend ging ich dann in einen ungarischen Supermarkt, kaufte mir ein Bierchen und nen Berg an Túró Rudi (ein sehr leckerer Riegel, den es nur in Ungarn zu geben scheint) und begab mich zum Fernsehturm, wo ich den Sonnenuntergang bewundern konnte.

Jetzt sitze ich in meinem Zimmer, durch das geöffnete Fenster tönt Gitarrenmusik, da unter mir ein Musikraum ist und dort geprobt wird und schreibe an meinem Blog.

Ich habe hier zwar noch nicht richtig gearbeitet, aber ich weiß, dass diese Schule ein gutes neues Heim für mich wird und ich mit viel Spaß an die ganze Sache rangehen werde. Die Lehrer hier sind alle sehr nett und die Schüler scheinen auch talentiert und gute "Kinder" zu sein (ich bin ja selbst nur ein paar Jahre älter ;)).
Außerdem ist das Gelände an sich atemberaubend schön und die Stadt hat auch einen ganz speziellen Charme.
Man kann sie zwar nicht mit dem Panorama von Budapest vergleichen, aber sie ist etwas ganz Besonderes. Dafür gibt es einen guten Grund.
Sie ist jetzt meine Stadt.

Dienstag, 13. September 2011

Der Anfang

Es ist Dienstag der 13. September 2011.
Ich sitze mit meinem Mitfreiwilligen und mittlererweile schon guten Freund Niko in Pappritz im Hans und Sophie Scholl Haus. Alleine.

Doch wie kam es dazu?
Vor einigen Monaten habe ich mich beschlossen ein Jahr in´s Ausland zu gehen. Wohin, das war mir damals noch ziemlich egal.
Durch meine beiden Cousins, welche ein FSJ in Frankreich verbracht haben, bin ich zum ICE (Initiative Christen für Europa ev. http://www.freiwilligendienst.de/) gekommen.
Dort habe ich mich beworben und wurde auch gleich zu einem Auswahlseminar eingeladen, bei dem ich "willige" Jugendliche aus ganz Deutschland kennen lernte.  Es wurde sich ausgetauscht, in welches Land man denn am liebsten will und wieso man sich eigentlich beworben hat. Der Trend ging, bei meinem Seminar, jedenfalls ganz klar nach Westeuropa. Frankreich, Portugal, England, Irland und Italien - da wollten die meisten hin.
Nun, nach diesem kurzen und doch ziemlich intensiven Seminar bekam ich nach ein paar Wochen einen Brief. Ich wurde für ein Jahr im Ausland angenommen! Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ungarischen Sprachraum. Anfangs konnte ich mir darunter überhaupt nichts vorstellen, war jedoch total erfreut, dass ich mein eigenes kleines Abenteuer "gewonnen" hatte.
Nach einigen Monaten der Vorbereitung (Dokumente wurden hin- und hergeschickt) wurden wir dann wieder nach Pappritz (Dresden) gerufen, wo wir auch schon unser Auswahlseminar bzw Orientierungsseminar hatten. Hier fand eine "multiliterale Begegnung" statt. Deutsche Freiwillige, die nach Ungarn, Rumänien und in die Ukraine gehen und Freiwillige, aus eben diesen Ländern, sowie ein albanischer und ein französischer "Fredie" (Freiwilligendienstler) sollten hier 2 Wochen verbringen.
Anfangs begann es mit einer Grüppchenbildung. Die internationalen saßen alle in Internetreichweite und verweilten via Facebook in ihrer Heimat und die Deutschen lernten sich untereinander kennen. Hier lernte ich unter anderem Niko, Mara und Hanna kennen - Fredies, die mit mir nach Ungarn gehen - aber auch viele andere, sowie Theresia (Ukraine) und Katharina, Lisa, Ellie und Louise (Rumänien).
Während dieser spannenden 2 Wochen bekamen wir auch einen Intensivsprachcrashkurs in Ungarisch von Bálint, einem sehr sympathischen und auch guten Lehrer, der uns den ersten Kontakt mit dieser doch völlig fremden Sprache so einfach und angenehm wie möglich machte.
Während dieser Zeit löste sich die Gruppenbildung und wir fingen an uns mit den "Internationalen" auszutauschen. Zum Ende des Seminars hin, konnte man schon von kleinen grenzübergreifenden Freundschaften erzählen und es war ganz normal, dass mal ein Rumäne und Ungar mit ein paar Deutschen in Dresden feiern gingen.
Doch auch diese 2 Wochen vergingen viel zu schnell und sofort ging es für Niko, Max (einem anderen Ungarn-Fredie) und mich für 5 Tage nach Budapest, wo wir die Malteser, unsere Mentoren und unsere Arbeitsstellen kennen lernten. Ganz unerwartet fanden wir Bálint in Dresden am Bahnhof vor, er wollte spontan nach Budapest fahren. So kam es, dass der Lehrer mit seinen 3 Schülern ein Abteil im Nachtzug nach Ungarn teilte.
In Budapest angekommen, wurden wir von Zsófi (unsere "Chefin") und Péti (Nikos Mentor) begrüßt, welche uns zur Freiwilligenwohnung brachten, wo Niko später mit einem anderen Fredie wohnen wird.
Hier begrüßte uns Otari, sein Vorgänger und zeigte uns gleich einmal die Stadt.
Für mich ging es nach einiger Zeit dann nach Miskolc, an das Jesuitengymnasium. Meine Arbeitsstelle und auch gleichzeitig Heimat für das kommende Jahr, wo mich auch gleich meine Vorgängerin, Christiane, meine Mentoren Ándi und mein Direktor Ferenc begrüßten. Nach einem kleinen Rundgang durch das nächtliche Miskolc, welches wirklich sehr schön ist, und einer Erkundungstour durch meine hogwartsähnliche Schule, ging es für mich am nächsten Tag auch schon wieder nach Budapest, wo ich mit den anderen den "ersten letzten Abend" in Ungarn verbrachte.
Wieder in Perleberg, meiner Heimat, war es jedoch etwas komisch. Ich habe meine "Zukunft" schon gesehen und saß nun doch für ein paar Wochen im Hier und Jetzt fest. Aber auch diese Phase ging schnell vorbei und wir wurden nach Freising beordert, dem Sitz von Renovabis, einem Verein, welche einige Stellen (darunter meine) fördert. Hier trafen wir erneut auf Otari und Christiane, lernten Freiwillige aus einer anderen Organisation kennen, sowie den Verein Renovabis an sich und nahmen am alljährlichen Renovabiskongress teil. Hier lernten wir auch Jonathan und Benjamin kennen, 2 Freiwillige, die nach St. Petersburg gehen, bzw jetzt schon dort sind.
Von Freising ging es für uns alle dann direkt weiter nach Pappritz, wo wir unser Ausreiseseminar hatten.
Hier lernten wir fast alle deutschen ICE-Freiwilligen kennen, hatten nochmal straffes Programm und freundeten uns noch mehr mit den Anderen an.
Innerhalb der letzten 3 Tage sind dann alle abgereist.
Dieses große Haus, in dem wir vor nicht mal 24 Stunden noch lustig beisammen saßen ist nun völlig ruhig. Die einzigen Geräuscheverursacher sind nun Niko und ich, welche Musik hören und nebenbei an ihren Blogs schreiben.

Es ist schon seltsam, wir haben viele viele neue Leute getroffen und einige davon sogar richtig ins Herz geschlossen. Diese Fredies, sind schon ein toller Schlag Menschen!
Doch nun, sind sie alle weg und wir warten gespannt auf unsere Abreise, welche erst am folgenden Abend stattfindet.

Ich habe keine Angst vor meinem Freiwilligenjahr, ganz im Gegenteil. Ich freue mich schon sehr darauf und bringe auch ein paar Ideen, für meine Schüler und die Stelle mit. Ich hoffe und denke, dass mich dieses Jahr verändern wird. Mich reifer machen wird. Und mir ein paar Lebensweisheiten für meinen späteren Weg offenbart.

Mein Name ist Christopher Uhe, es ist Dienstag, der 13. September 2011 22;30 Uhr und ich werde in nichtmal 24 Stunden mein Abenteuer in Ungarn beginnen und ich werde diese tolle und intensive Vorbereitungszeit mit dem ICE nie vergessen.